Aktienanlage nach Benjamin Graham 2016

Benjamin Graham, Vater der fundamentalen Analyse von Unternehmen, war stets darauf bedacht, den fairen Wert von Unternehmen zu ermitteln. Er kaufte Unternehmen gerne zu extremen Schnäppchenpreisen. Er nannte sie Zigarettenstummel, weil sie eben noch ein paar Züge hergaben. Heute stellt man sich vielleicht die Frage, ob sich solche Unternehmen auch noch finden lassen, die beispielsweise unter dem Nettoumlaufvermögen gehandelt werden. Um das Nettoumlaufvermögen zu berechnen, werden sämtliche Verbindlichkeiten (inkl. Vorzugsaktien und langfristige Verbindlichkeiten) vom Umlaufvermögen subtrahiert. Dividiert man das Ergebnis nun durch die Anzahl aller ausstehenden Aktien, erhält man das Nettoumlaufvermögen je Aktie. Liegt dieses unter dem aktuellen Kurs, handelt es sich um ein echtes Schnäppchen, welches durchaus Potenzial hat, kräftig in die Höhe zu schießen. Wie immer, ist dennoch ausreichend Vorsicht geboten. Unternehmen können sich in dieser Situation befinden, weil sie hohe Verluste machen und kurz vor dem Konkurs stehen. Es kann sich aber auch um Unternehmen handeln, deren Wert vom Markt noch nicht erkannt wurde oder die durch Gewinnrückgänge zu übertriebenen Schleuderpreisen im Ausverkauf stehen. Nach solchen Unternehmen sollte ein konservativer Investor suchen, den es nach Sicherheit und Wert verlangt, der aber trotzdem eine ansprechende Langfristrendite erzielen möchte. In diesem Jahr lassen sich leider kaum solche Werte finden. Dennoch wird es in Marktzusammenbrüchen immer wieder Chancen für sogenannte „Net-Net Aktien“ geben, die daraufhin beste Sicherheit und Rentabilität vermitteln.

Eine weitere Chance sah Graham in der Übernahme von kleineren Firmen, deren Aktien i.d.R. dann zu einem kräftigen Aufschlag übernommen werden. Allerdings ist auch das Aufspüren solcher Chancen in diesem Jahr schwieriger, als zu der damaligen Zeit.

Viele von Grahams Anlageregeln sind auch weiterhin zeitlos und absolut faszinierend. Was immer noch funktioniert, ist das Abschätzen zukünftiger Gewinne und die anschließende Multiplikation mit einem Faktor, der für das Unternehmen angemessen ist. Es kommt auch jetzt noch vor, dass große Unternehmen zu einem geringeren Wert gehandelt werden, als es ihr zukünftig zu erwartender Ertrag eigentlich hergeben sollte. Natürlich sind eigene Prognosen, beruhend auf Analysen, für die Zukunft immer mit ausreichender Skepsis und Pessimismus zu genießen. Interessant ist der Zusammenhang von Unternehmen im Dow Jones, die nahe dem Buchwert und somit mit niedrigem KGV gehandelt wurden, im Vergleich zu beliebten Wachstumswerten. In Grahams Bestseller „Intelligent Investieren“ (Tabelle 7-2) ist zu erkennen, dass die unterbewerteten Titel in den Jahren von 1937-1969 bessere Renditen abwarfen.

Bedenken Sie immer, mit einer ausreichenden Sicherheitsmarge in ein Unternehmen einzusteigen. Die Chancen auf Sicherheit und langfristige Profitabilität sind ungleich höher.

 

Einige nützliche Zitate

Wer ein Papier für die Hälfte oder ein Viertel des Wertes kauft, geht weniger Risiko ein als Jemand, der den vollen Wert bezahlt. -Sir John Templeton-

Ein Investment liegt immer dann vor, wenn nach einer gründlichen Analyse in erster Linie Sicherheit und erst im Anschluss daran eine zufriedenstellende Rendite steht. -Benjamin Graham-

Wenn man billig einkauft, muss man Geduld mitbringen und abwarten, bis der Markt einem zustimmt. -Benjamin Graham-

Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt. -Warren Buffett-

Kaufe nie eine Aktie, wenn du nicht damit leben kannst, dass sich der Kurs halbiert. -Warren Buffett-

Wenn jemand gute Aktien hat, wäre er verrückt, wenn er nur wegen eines Kursrückschlags verkaufen würde. Ich suche Unternehmen, die ich verstehe und von deren Zukunftsaussichten überzeugt bin. -Warren Buffett-

Ich verrate Ihnen, wie Sie reich werden: Kaufen Sie einen Dollar, aber bezahlen Sie nicht mehr als 50 Cent dafür. -Warren Buffett-

Wenn man sich sowohl über die Ertragskraft des Zinseszinses als auch über die Schwierigkeit im klaren ist, diese richtig einzusetzen, hat man im Grunde viele Zusammenhänge begriffen. -Charlie Munger-

Die fünf teuersten Worte auf dem Gebiet des Geldanlegens sind: dieses Mal ist alles anders. -Sir John Templeton-

Reich wird, wer in Unternehmen investiert, die weniger kosten, als sie wert sind. Ich versuche nie, mit Aktien Geld zu verdienen. -Warren Buffett-

Wer sich nach den Tipps von Brokern richtet, kann auch einen Friseur fragen, ob er einen neuen Haarschnitt empfiehlt. -Warren Buffett-

 

Um erfolgreich zu investieren, müssen Sie nicht den Beta-Faktor, die „Theorie des effizienten Marktes“, die Preisbildung von Optionen oder die Emerging Markets verstehen. Tatsache ist, daß es womöglich besser ist, wenn Sie nichts von all dem wissen. Das ist natürlich nicht die verbreitete Ansicht an den meisten Wirtschaftsakademien, deren Finanzlehrpläne dazu neigen, von solchen Themen beherrscht zu werden.

Aus unserer Sicht brauchen angehende Investoren nur zwei gut unterrichtete Kurse – Wie man ein Unternehmen bewertet und wie man über Marktpreise denkt. Ihr Ziel als Investor sollte es einfach sein, zu einem vernünftigen Preis einen Teil eines leicht verständlichen Geschäfts zu kaufen, dessen Gewinne in fünf, zehn und zwanzig Jahren nahezu sicher erheblich höher ausfallen werden, als heute.

Sie werden im Laufe der Zeit nur wenige Unternehmen finden, die diesen Standards entsprechen. Wenn Sie also eines sehen, das die Anforderungen erfüllt, sollten Sie eine bedeutende Menge Aktien von diesem Unternehmen kaufen. Sie müssen ebenso der Versuchung widerstehen, von Ihren Richtlinien abzuweichen. Wenn Sie nicht bereit sind, die Aktien eines Unternehmens über einen Zeitraum von zehn Jahren zu halten, sollten Sie nicht einmal daran denken, sie für zehn Minuten zu besitzen.

Fügen Sie ein Portfolio von Unternehmen zusammen, deren summierte Gewinne über die Jahre steigen und der Marktwert Ihres Portfolios wird dies ebenfalls tun.

» Warren Buffett, im Berkshire Hathaway Aktionärsbrief 1996

 

Wir werden weiterhin politische und wirtschaftliche Prognosen ignorieren, die bloß eine teure Ablenkung für viele Investoren und Geschäftsleute sind. Vor 30 Jahren konnte niemand die große Ausweitung des Vietnamkriegs, Lohn- und Preiskontrollen, zwei Ölschocks, den Rücktritt eines Präsidenten, die Auflösung der Sowjetunion, einen Tagesverlust des Dow von 508 Punkten oder Schatzbriefrenditen, die zwischen 2,8 und 17,4% schwanken, vorhersehen. Aber, welch Überraschung; keines dieser Knüllerereignisse hat auch nur die kleinste Schramme an Ben Grahams Investitionsprinzipien verursacht.

» Warren Buffett, im Berkshire Hathaway Aktionärsbrief 1994

 

Meine Investments sind wirklich nicht abhängig von Zinssenkungen oder -erhöhungen, darauf lege ich wert, denn geholfen wird immer nur Firmen, die Hilfe brauchen. Niemand wird seine Washington Post deswegen abbestellen noch neu abonnieren, keiner trinkt ein Glas Cola weniger und niemand wird die Rasur hinausschieben.

Derzeit sind die Märkte überbewertet, sie müssen korrigieren. Wer jedoch meint, Ausstieg aus dem Aktienmarkt bringe ihm Erfolg, hat noch nicht begriffen, daß Aktien Beteiligungen an Unternehmen sind, zu denen man Vertrauen hat. Wer meint, sein Unternehmen könne nicht mal in den Sog einer Korrektur kommen, möge die Hände von Aktien weglassen. Er ist wahrscheinlich sowieso falsch investiert. Liebe Freunde, wir alle sind in Unternehmen investiert, die sich bewährt haben und weiter bewähren werden. Wir haben diese ja gerade ausgesucht, weil ihre Aktien den tatsächlichen Wert eines Unternehmens darstellen.

Ich befürchte, daß künftig sehr viele ein böses Erwachen erleben werden, die gierig nach Performance schielen, ohne eigentlich selbst überzeugt sein können, daß die Marktkapitalisierung ihrer Investitionen irgend etwas mit fairer Bewertung zu tun haben. Mich würde es nicht wundern, wenn viele Blasen platzen und Anleger Zweidrittel und mehr ihres eingesetzten Kapitals verlieren werden. Der Markt schreit derzeit nach Korrektur.

Bleiben wir also konservativ, verändern unsere Wertmaßstäbe nicht, dann werden wir auch weiterhin im festen Glauben – nein in Gewißheit – an unsere Unternehmen ruhig schlafen und Profite einfahren. Der größte Vorteil unserer kapitalistischen Ordnung ist, daß sie sich selbst organisiert und reinigt. Da muss man dann auch mal Leichen akzeptieren, aber doch nicht in sie investieren.

Die Fed mag zwar kurzfristig regulierend eingreifen können, was ich für falsch halte, sie wird nicht verhindern, daß der Markt selbst erkennt, welche Investments letztlich zu riskant sind. Die derzeitige Euphorie ist Dummheit. Beteiligen wir uns nicht daran, unsere Investments werden langfristig bleiben, weil sie Werte darstellen. Mindestens 50% derzeitiger Investitionen sind rational nicht mehr begründbar. Die Strafe wird folgen.

» Warren Buffett im Jahr 2000

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